Übergewicht bei Katzen erkennen und bekämpfen
Studien zeigen, dass 40–50 % aller Wohnungskatzen übergewichtig oder adipös sind. Übergewicht ist damit das häufigste Ernährungsproblem bei Katzen – und leider wird es von vielen Besitzern unterschätzt. Dabei kann schon ein halbes Kilogramm zu viel bei einer Katze ernste gesundheitliche Folgen haben.
Warum ist Übergewicht bei Katzen so gefährlich?
Im Gegensatz zu Hunden zeigen Katzen gesundheitliche Probleme oft erst spät. Übergewicht erhöht das Risiko für:
- Diabetes mellitus: Übergewichtige Katzen haben ein 4-fach höheres Diabetesrisiko.
- Gelenkprobleme (Arthrose): Besonders bei älteren Katzen belastet jedes Extra-Gramm die Gelenke.
- Harnwegserkrankungen: Übergewichtige Katzen sind anfälliger für FLUTD und Harnsteine.
- Hepatische Lipidose: Eine lebensbedrohliche Fettleber, die paradoxerweise auftreten kann, wenn eine übergewichtige Katze plötzlich zu wenig frisst.
- Kürzere Lebenserwartung: Studien zeigen, dass übergewichtige Katzen im Schnitt 2–3 Jahre kürzer leben.
So erkennst du Übergewicht: Der Body Condition Score (BCS)
Der Body Condition Score ist ein von Tierärzten weltweit genutztes System, um den Körperzustand einer Katze auf einer Skala von 1 bis 9 einzuschätzen:
| BCS | Bewertung | Beschreibung |
|---|---|---|
| 1–3 | Untergewichtig | Rippen, Wirbelsäule und Hüftknochen deutlich sichtbar. Keine Fettauflage. |
| 4–5 | Idealgewicht | Rippen leicht fühlbar, Taille von oben erkennbar, minimale Fettauflage am Bauch. |
| 6–7 | Übergewichtig | Rippen schwer fühlbar, Taille kaum sichtbar, deutliche Fettauflage am Bauch. |
| 8–9 | Adipös | Rippen nicht fühlbar, keine Taille, hängende Fettschürze am Bauch, runde Körperform. |
Faustregel: Jeder BCS-Punkt über 5 bedeutet ca. 10 % Übergewicht. Eine Katze mit BCS 7 ist also etwa 20 % zu schwer. Bei einer 5-kg-Katze wäre das ein ganzes Kilogramm!
Ursachen für Übergewicht bei Katzen
- Zu viel Futter: Der häufigste Grund. Viele Besitzer schätzen die richtige Futtermenge falsch ein.
- Zu wenig Bewegung: Wohnungskatzen ohne Spielangebote verbrauchen deutlich weniger Kalorien.
- Kastration: Kastrierte Katzen haben einen um 20–30 % niedrigeren Energiebedarf, werden aber oft genauso gefüttert wie vorher.
- Leckerlis und Tischreste: Schon ein kleines Stück Käse kann für eine Katze mehrere Prozent der Tagesration ausmachen.
- Ad-libitum-Fütterung: Futter rund um die Uhr zur Verfügung zu stellen funktioniert nur bei wenigen Katzen, die ihre Aufnahme selbst regulieren.
So hilfst du deiner Katze beim Abnehmen
1. Kalorienbedarf berechnen
Berechne zuerst den tatsächlichen Kalorienbedarf deiner Katze. Nutze dafür das Idealgewicht (nicht das aktuelle Gewicht!) als Grundlage. Bei einer Diät verwende einen Faktor von 0,8 × RER.
2. Futter wiegen – nicht schätzen
Investiere in eine Küchenwaage und wiege die Futtermenge bei jeder Mahlzeit ab. Schätzungen nach Augenmaß liegen oft 20–30 % daneben.
3. Leckerlis einrechnen
Leckerlis sollten maximal 10 % der täglichen Kalorien ausmachen. Ziehe die Kalorien von der Hauptmahlzeit ab.
4. Bewegung fördern
Spiele täglich 15–20 Minuten aktiv mit deiner Katze. Federspielzeuge, Laserpointer und Futterbälle sind ideal, um Wohnungskatzen in Bewegung zu bringen.
5. Langsam abnehmen
Wichtig: Katzen dürfen nie zu schnell abnehmen! Maximal 1–2 % des Körpergewichts pro Woche. Zu schnelles Abnehmen kann eine lebensbedrohliche Fettleber (hepatische Lipidose) auslösen. Besprich eine Diät immer mit deinem Tierarzt.
Idealgewicht nach Rasse
| Rasse | Idealgewicht (kg) |
|---|---|
| Europäisch Kurzhaar | 3,5 – 5,0 |
| Siamkatze | 3,0 – 4,5 |
| Perserkatze | 3,5 – 5,5 |
| Maine Coon | 5,5 – 8,5 |
| Britisch Kurzhaar | 4,0 – 7,0 |
| Ragdoll | 4,5 – 7,0 |
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Übergewicht erhöht das Risiko für teure Erkrankungen wie Diabetes. Eine Katzenkrankenversicherung schützt vor unerwarteten Kosten.
Fazit
Übergewicht bei Katzen ist weit verbreitet, aber vermeidbar. Mit dem Body Condition Score kannst du den Körperzustand regelmäßig überprüfen, und mit einer angepassten Fütterung und mehr Bewegung erreichst du ein gesundes Gewicht. Wichtig: Jede Diät langsam angehen und im Idealfall mit tierärztlicher Begleitung.